Coronavirus in Italien,  Land & Leute

Heiraten in Italien: Es darf wieder geheiratet werden

Hochzeiten waren in Italien meist große Feste. Viele Gäste, mehrgängige Hochzeitsmenüse und ganz viel Amore. Dann kam Covid. Hochzeitsfeiern im großen Stil mussten allesamt abgesagt werden. Versammlungsverbot, Ansteckungsgefahr, keine Chance mehr, die Liebe groß zu feiern.

Covid-Realität für Hochzeitspaare

Versetzen wir uns doch einmal in ein Hochzeitspaar hinein. Die Traumhochzeit wird über etliche Monate geplant. Es war nicht einfach, einen Termin für die Hochzeit zu finden, das Wunschrestaurant und das mit der Kirche aufeinander abzustimmen. Einen Hochzeitssänger, einen Fotografen und einen Videofilmer zu finden, der genau an diesem Tag zur Verfügung steht. Die Einladungen wurden gedruckt, das Menü abgestimmt, die Vorfreude stieg und plötzlich dann das: Keine großen Feiern mehr. Hochzeit maximal im kleinsten Kreis – und mit Maske. Der Restaurantbesuch danach. Teilweise auch das nicht möglich. Innenraum – gefährlich. Also maximal ein Hochzeitsmenü zur Mitnahme. In die eigenen vier Wände. Gäste und Gratulanten? Nun ja, die wohnten vielleicht im Nachbarort, aber zwischenzeitlich war hier alles orange oder rot. Bedeutet: Keine Möglichkeit, wegen des Feierns von Amore in den Nachbarort zu fahren.

Heiraten trotz Pandemie

Verzweiflung, Tränen, ganz viel Bedauern. So hatte man sich das mit der Traumhochzeit nun wirklich nicht vorgestellt. Zwei Freundinnen von mir haben trotzdem geheiratet. Eine meiner besten Freundinnen kurzfristig in Deutschland, die andere zwei Orte weiter. Bei beiden war ich nicht. Bei meiner (übrigens italienischen) Freundin in Deutschland nicht, da ich vor Teilnahme an der Feier erst einmal zehn Tage in Quarantäne gemusst hätte und erst nach der kurzfristig anberaumten Trauung wieder aus der Quarantäne gekonnt hätte. Zu der anderen konnte ich nicht, weil wir zu dem Zeitpunkt (mal wieder) orange waren und die eigene Gemeinde nicht verlassen durften. Nur aus triftigen Gründen. Eine Hochzeit – sonst wohl DAS Highlight im Leben und einer der triftigsten Gründe überhaupt – zählt in einer Pandemie nicht dazu.

Hochzeitsbilder mit Maske

Statt mit auf den Hochzeitsbildern abgebildet zu sein, bekam ich Videos. Das Unterzeichnen der Eheschließungsurkunde. Bilder, die später im Fotoalbum landen. Ein besonderer Moment. Mit Maske. Sie mit weißer, er mit schwarzer. Der Hochzeitskuss? Draußen. Im Innenbereich absolute Maskenpflicht. Und dann das: Beim offiziellen Hochzeitsbild (draußen) hängt die Maske am Ohr oder wird zusammen mit dem Brautstrauß in der Hand gehalten. Traurige Bildsprache in einem Moment des Glücks. Und ein so klassisches Zeichen dieser Pandemie. Das Lächeln von Brautleuten – sonst so selig. Während der Pandemie aber versteckt hinter Stofffetzen, die eigentlich keiner haben möchte. Aber vielleicht war es doch richtig, genau jetzt zu heiraten.

Hochzeitsplanung zwischen Dekreten

Das gegenseitige Versprechen von Brautleuten und (eventuellen) Gästen: “Wir holen das nach, wenn das alles vorbei ist. Ganz bestimmt!” Der Nachholtermin? Die große kirchliche Hochzeit? Nun ja. Selbst Aufschieben konnte man die Feier nicht so einfach. Auf wann denn? Niemand weiß, wann dieser Mist vorbei ist, wann das Leben wieder “normal” genug ist, um zu heiraten. Und welches Dekret bzw. welcher Minister gerade regiert. Solange Notstand in Italien herrscht (mindestens bis Ende Juli 2021) kann so ein Dekret zudem ganz schnell auf den Weg gebracht werden. Die Hochzeit wird am Mittwoch für Samstag geplant? Gut möglich, dass sie am Donnerstag schon wieder abgeblasen werden muss.

Es darf wieder geheiratet werden!

Aber jetzt das: Es darf wieder geheiratet werden! So richtig – mit Freunden, Familie. So, wie es sich viele wünschen. Und zwar ab Mitte Juni 2021. Ab dem 15. Juni 2021, um genau zu sein. Wer weiß, wie viele Paare auf diesen Moment gewartet haben? Und wie viele Paare diese Warterei und die Belastungen durch die Pandemie vielleicht gar nicht überstanden haben? Weil die Beziehung nicht stark genug für SARS-CoV-2 war…

Hochzeitseinladung zu Coronazeiten

Diejenigen, die aber immer noch heiraten und sich ENDLICH das Ja-Wort geben wollen, können wieder planen. Mit Einschränkungen (war klar, oder?). Und vielleicht steht dann zusätzlich zur Wegbeschreibung auch das hier auf der Einladungskarte:

“Um elegante Kleidung wird gebeten. Weiß möge aussschließlich der Braut vorbehalten sein. Ach ja: Und denkt bitte daran, Euren Impfstatus zu überprüfen! Nur Personen mit “certificazione verde” dürfen an der Feier teilnehmen. Falls Ihr nicht komplett geimpft oder nach einer Infektion genesen seid, denkt bitte daran, vor unserer Hochzeit einen PCR- oder Antigen-Schnelltest zu machen. Und noch eine Bitte: Wer Symptome hat, bleibt bitte so oder so zu Hause!”

Hochzeitseinladung zu Pandemie-Zeiten? Gäste jedenfalls brauchen eine “certificazione verde”.

Ganz absurd ist das alles aber nicht. In den USA gab es nach einer Hochzeit aufgrund eines “Superspreaders” im August 2020 sieben Tote und 177 Infizierte. Und auch in Italien hat es Fälle nach Hochzeiten gegeben.



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